Zeitreihen
aus "unterjährigen" Daten enthalten meist zyklischen Schwankungen in Form
von Saisonkomponenten (z.B. hohe Werte im Winter, niedrige im Sommer).
Durch die Bestimmung der Saisonkomponente(n) läßt sich die Frage
beantworten, wie die Zeitreihe verlaufen würde, wenn ihr Verlauf nicht
durch saisonale Faktoren mitbeeinflußt worden wäre.
Die Saisonnormale zeichnet also periodendurchschnittliche Abweichungen auf.
Die Isolierung der Saisonkomponenten geschieht häufig durch das
Verfahren der gleitenden Durchschnitte.
Die
Saisonnormale kann nur berechnet werden , wenn der Zeitreihe ein saisonaler
Zyklus zugrunde liegt. Berechnet wird die Saisonnormale mit Hilfe der Methode
der gleitenden Durchschnitte. Beispielsweise wird der gleitende
12-Monats-Durchschnitt
als
um die glatte Komponente bereinigte Zeitreihe aufgefaßt werden. Die
berechneten Werte für den gleitenden Durchschnitt werden von den
beobachteten Werten also substrahiert. Die Werte werden in einer Datenmatrix
nach Jahr und Quartal (Monate, Wochen oder andere Saisons) abgetragen. Die
eingetragenen Werte werden spartenweise addiert und danach durch die Zeit der
jeweiligen Spaltenwerte dividiert. Die Summe dieser Durchschnitte muß
Null ergeben. Ergibt die Summe nicht Null, müssen die Werte bereinigt
werden.
Dies geschieht, indem die Abweichung durch die Zahl der zugrunde liegenden
Werte dividiert wird, danach wird das Ergebnis von jedem Wert abgezogen oder
addiert, je nachdem, ob die Abweichung positiv oder negativ ist. Die bereinigte
Werte stellen dann die Werte der Saisonnormalen dar. Die Saisonnormale stellt
die durchschnittliche Bewegung aller Perioden um die Glättungslinie dar.
Mit Hilfe der Saisonnormalen können Prognosen verbessert werden. Zuerst
ermittelt man einen Prognosewert mit Hilfe des linearen Trends, danach wird der
zugehörige Wert der Saisonnormalen addiert.
Eine
Prognose liegt vor, wenn eine Aussage über Zukunftswerte für
wirtschaftliche oder sozialwissenschaftliche Variablen gemacht wird. Man
unterscheidet zwischen Punkt- (Prognose für einen bestimmten
historischen Zeitpunkt) und Intervallprognose (Prognose mit
Wahrscheinlichkeitsbereich) sowie konditionale Prognose (Wenn-Dann
Aussage) und unbedingter Prognose (Prophezeiung, Aussagen sind nicht
nachvollziehbar).
Ex-post-Prognosen sind Prognosen für die Vergangenheit, hier
unterscheidet man zwischen Prognosen 1. Art (es werden keine
Informationen über die Zukunft in der Vergangenheit verwendet) und 2.
Art (es werden Informationen bis zur Gegenwart genutzt, um Parameter zu
schätzen).
Bei den Verfahrensmethoden lassen sich autoprojektive
Prognoseverfahren (Ableitung der zukünftigen Entwicklung aus
Bewegungsmuster der Vergangenheit: Fortschreibung der beobachteten
Änderung, des Durchschnitts der letzten Änderungsbeträge der
letzten oder des Durchschnitts der letzten Wachstumsrate, autoregressiver
Ansatz, exponentielle Glättung sowie Trendextrapolation), stochastische
Kausalverfahren (Abteilung der Entwicklung eines Phänomens aus der
Realisation eines anderen: leading-Indikatoren) sowie
außerstatistische Verfahren.
Man
kann drei große Bereiche von Prognoseverfahren unterscheiden: Intuitive
Prognoseverfahren, klassische analytische Prognoseverfahren und
ökonometrische Verfahren. Zu den intuitiven Prognoseverfahren gehören
Methoden wie z.B. Tendenzbefragungen, Expertenprognosen (Delphi-Methode) und
die Methode von Referenzzyklen.
Bei den ökonometrischen Verfahren unterschiedet man zwischen
ex-post und ex-ante Prognosen. Für die Statistik sind die klassisch
analytischen Verfahren wichtig. Dazu gehören naive Ansätze der
Zeitreihenfortschreibung, Trendextrapolationsverfahren, d.h. Prognose durch
Fortschreibung des Trends (solche Prognosen können ggf. mit Hilfe einer
Saisonnormalen verbessert werden, falls die Voraussetzungen dafür bestehen
und autoregressive Ansätze).
Ein
relativ einfaches Prognoseverfahren ist die Trendextrapolation. Im folgenden
soll die Prognose mit Hilfe des linearen Trends näher betrachtet werden.
Zunächst wird die Trendgleichung bestimmt. In diese Gleichung wird dann
der Zeitwert für die bestimmte Prognose eingesetzt. Der so ermittelte Wert
für Y ist dann der Prognosewert.
Liegt der Zeitreihe neben dem Trend auch eine saisonale Bewegung zugrunde, kann
man mit Hilfe der Saisonnormalen (Die Saisonnormalen gibt die durchschnittliche
Bewegung aller Perioden um die Glättungslinie an) die Prognose verbessern.
Der Vorteil der Prognose mit Hilfe eines Trends liegt darin, daß auch
über längere Zeiträume hinweg noch Prognosen möglich sind.
Der Nachteil liegt darin, daß Trends sich auch von einem Jahr aufs andere
ändern können und gerade bei linearen Fortschreibungen werden die
Prognosen, je weiter sie sich von dem letzten beobachteten Wert entfernen,
immer unsicherer.
Man
kann die Zeitreihenfortschreibung mit Hilfe des linearen Trends als naiven
Ansatz eines linearen autoregressiven Prozesses ansehen:
.
Die Naivität des Ansatzes besteht in der impliziten Berechnungsvorschrift
für die Parameter a und b, bei der Informationen aus der
verfügbaren Zeitreihe yt nur in sehr unvollständiger und
grober Weise ausgewertet wurden. Um den wahren Verlauf einer Zeitreihe
gerechter zu werden (Zeitreihen folgen in aller Regel nicht exakt einer
linearen Funktion), wird dem systematischen Teil noch ein Zufallseinfluß
ut beigegeben. Für den linearen Teil

Das sieht zwar ein mutiples Regressionsmodell aus, aber Yt
hängt nicht von unabhängigen Variablen ab, sondern von zeitlich
zurückliegenden Größen von Yt, daher läßt
sich auch die Bezeichnung autoregressiv erklären. Dieser Prozeß wird
oftmals nach A.A.Markov als Markov-Prozeß bezeichnet. Bei der Berechnung
wird davon ausgegangen, daß die Störvariable ui nicht
rein zufällig ist, sondern von den entsprechenden Vorperiodenwert
ut-1 und einer rein zufälligen Größe vt
abhängt.
III
![]()
r ist hierbei ein unbekannter Parameter, der die Korrelation zwischen
ut und ut-1 (Autokorrelation) angibt. Mittels der
Gleichungen II und III und der Methode der kleinsten Quadrate können
Schätzparameter bestimmt werden. Bei diesen Prognoseverfahren wird also
der Einfluß der Störvariablen mitberücksichtigt.
Unter
dem Aspekt des zeitlichen Verlaufs der Indikatoren gegenüber der
konjunkturellen Referenzgröße, z.B. der Industrieproduktion,
unterscheidet man drei Indikatoren:
führende (leading) Indikatoren
gleichlautende Indikatoren
nachlaufende Indikatoren
Führende Indikatoren liegen dann vor, wenn das jeweilige Maximum oder
Minimum der Referenzreihe eintritt, z.B. Auftragseingänge für
dauerhafte Güter, Lagerveränderungen u.a. Diese Indikatoren werden
oft auch als Frühindikatoren bezeichnet. Sie spielen beispielsweise eine
Rolle bei der Konjunkturprognose, weil mit ihrer Hilfe unerwünschte
wirtschaftliche Entwicklungen vor ihrem wirklichen Eintritt erkennbar werden
können, denen man eventuell prophylaktisch entgegenwirken kann.
Das Konzept der leading-Indikatoren gehört zu den statistischen
Kausalverfahren, bei denen Informationen genutzt werden, die von anderen
Phänomenen stammen, welche in einem statistischem Zusammenhang zu den
prognostizierten Werten stehen. Es wird also ein vorauseilender Indikator
genutzt.
Folgende Voraussetzungen werden gemacht: