Eine
Zeitreihe stellt die zeitlich geordnete Abfolge der Beobachtungen von
statistischen Massen dar, die Unterschiede im zeitlichen kollektivabgrenzenden
Merkmal aufweisen. Statistische Massen sind zum Beispiel alle Kraftfahrzeuge
eines Landes. Die Zählwerte zu einem bestimmten Termin im Jahr stellen die
Zeitreihe dar. Wichtig für die Interpretation einer Zeitreihe ist,
daß sich innerhalb der Zeitreihe die Beobachtungen auf statistische
Massen beziehen müssen, die sich lediglich im zeitlichen Merkmal
unterscheiden, da ansonsten die Vergleichbarkeit der Zeitreihenwerte
untereinander erschwert oder - im Extremfall - gar nicht möglich ist.
Zudem beschränkt man sich auf äquidistante Zeitreihen, also Reihen
mit gleicher zeitlicher Entfernung zwischen den Zeitindizes. Es gibt
verschiedene Erklärungsansätze für Zeitreihen:
Empirische
wirtschafts- und sozialstatistische Zeitreihen werden als endliche Realisation
eines übergeordneten, den spezifischen Sachverhalt umfassenden,
stochastischen Prozeß angesehen. Ein stochastischer Prozeß
läßt sich auf zwei Arten definieren.
a. Der stochastische Prozeß stellt eine Grundgesamtheit für die empirische Zeitreihe dar. Eine empirische Grundgesamtheit ist also eine Stichprobenrealisation aus einer unter Umständen recht umfangreichen Masse.So handelt es sich beispielsweise bei einer Zeitreihe von 10 Volkseinkommen um eine Stichprobe aus einer unvorstellbar großen Masse an Volkseinkommen (Volkseinkommen, die in einem Land unter den Bedingungen, unter denen sie tatsächlich zustandegekommen sind, vorkommen können).
b. Der stochastische Prozeß stellt eine Folge von Zufallsvariablen dar, wobei jedem Zeitindex eine Zufallsvariable X(a) zugeordnet ist. Der stochastische Prozeß stellt also formal eine Funktion mit zwei Definitionsbereichen dar, dem Ereignisraum und einem Zeitindex X(a,t). Dahinter steckt folgende Überlegung: Zufallsvariablen werden als Größe aufgefaßt, die Chancen ausdrücken, mit denen im Rahmen eines Vorgangs mit Zufallscharakter bestimmte reelle Zahlen auftreten. Der Zufallvorgang kann zu einem anderen Zeitpunkt wiederholt werden, wobei dies nicht unter derselben Bedingung erfolgen muß
=> die Chancen, mit denen bestimmte reelle Zahlen auftreten könnnen, verändern sich
=> zu verschiedenen Zeitindizes sind deshalb verwandte, aber nicht völlig gleiche Zufallsvariablen gültig
=> nach Definition ist eine derartige Familie von Zufallsvariablen ein stochastischer Prozeß
In
Abhängigkeit davon, daß Ereignisse realisiert sind oder aber nicht
realisiert sind, und der Zeitindex entweder fest oder variabel ist, lassen sich
die Konzepte "stochastischer Prozeß", "Zeitreihe", "Zufallsvariable", und
"Wert der Zufallsvariablen" darstellen:
Fazit: Eine konkret vorliegende Reihe stellt zunächst lediglich eine Folge von reellen Zahlen dar, die die zeitliche Entwicklung eines ökonomischen Sachverhaltes beschreibt. Dem Zeitreihenanalytiker steht somit frei, eine vorliegende Reihe beispielsweise als eine endliche Realisation eines stochastischen Prozesses eines bestimmten Typs zu interpretieren; welche Interpretation gewählt wird, richtet sich rein nach der Zweckmäßigkeit.
Die
Trendfunktion setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen:
![]()
Gt: Glatte Komponente
Die "Glatte Komponente" gibt den fiktiven Verlauf der Zeitreihe bei Fehlen saisonaler und irregulärer Schwankungen an. Oft wird die "Glatte Komponente" in eine Trendkomponente und eine zyklische Komponente differenziert.
Tt: Trendkomponente
In ihr drückt sich eine meist sehr langfristig wirksame Entwicklungstendenz oder "Grundrichtung" aus. Der Verlauf der Trendkomponente Tt ist bedingt durch die langfristigen Ursachen entweder monoton wachsend oder monoton fallend (mit der Zeit t).
Zt: Die zyklische (Konjunkturzyklus-)Komponente
Diese, wie auch die folgenden Komponenten überlagern den Trend. Die zyklische Komponente umfaßt mehrjährige Schwankungen von meist unregelmäßiger Amplitude oder Länge. In der Mehrzahl der Fälle beträgt die Periodenlänge drei bis zwölf Jahre.
Die zyklische Komponente nimmt einen wellenförmigen Verlauf aufgrund sich stetig, aber langsam ändernder Einflüsse an. Im Falle wirtschaftlicher Zeitreihen etwa entsteht eine zyklische Komponente oft durch den Konjunkturzyklus. Um als Trendfaktoren zu gelten, müssen die Faktoren immer eine längere zeitliche Reichweite haben (größer als 12 Monate).
In ihr drücken sich die prinzipiell wiederkehrenden, vom Lauf der Gestirne (Jahreszeiten/Tag/Nacht-Rhythmus) oder von institutionellen Festlegungen (Feriendaten, Zahlungstermine) ausgehenden Regelmäßigkeiten innerhalb eines Jahres oder Tages aus. In entsprechender Anzahl gibt es sogenannte Saisonkoeffizienten, die den jeweiligen Saisoneinfluß zahlenmäßig ausdrücken.It: irreguläre oder zufällige Komponente (statistischer Rest)
Der Verlauf der Saisonkomponente ist ebenfalls wellenförmig durch den genannten periodischen Zeit-Einfluß auf die Beobachtungswerte. Oftmals wird von Zeitreihen mit konstanter Saisonkomponente ausgegangen, d.h. daß sich der Verlauf der saisonalen Komponente, falls sie überhaupt vorhanden ist, nach einer festen Anzahl p von Zeitpunkten wiederholt, so daß giltfür t=1...n-p.
In It drücken sich die unvorhersehbaren, nicht regelmäßig wiederkehrenden und in den übrigen Komponenten nicht enthaltenen Einflüsse aus. Z.B. Streik, besonders schneereicher Frühling, Kalenderunregelmäßigkeiten, soweit sie nicht gesonders berücksichtigt werden, bilden den statistischen Rest.
Ausgegangen wird i.A. davon, daß It zufällig um Null schwankt.
Die
Spezifizierung der Trendkomponente Tt des Zeitreihenwertes
xt für t=1...n wird als Trendbestimmung einer Zeitreihe
bezeichnet.
Zum einen ist die Trendisolierung von Interesse (Welchen Verlauf hätte die
Zeitreihe genommen, falls im Zeitablauf lediglich die Faktorengruppe wirksam
gewesen wäre?) um den längerfristigen Grundzug, des in der Zeitreihe
vorliegenden Bewegungsmusters aus der Retrospektive zu bestimmen, zum anderen
geht es um die Trendausschaltung bzw. Trendbereinigung (welchen Verlauf
hätte die Zeitreihe genommen, falls die Trendfaktoren nicht wirksam
gewesen wären?). Der Vorteil der Trendbereinigugn ist, daß nach
ihrer Durchführung die kürzerfristige saisonale Bewegungskomponente,
unter der Voraussetzung, daß sie vorhanden ist, deutlicher als in der
Ursprungsreihe hervortritt. Sie kann daher dann besser analysiert und
prognostiziert werden.