
Schätzen nennt man das Festlegen von Werten für unbekannte
Grundgesamtheiten mittels einer Stichprobe.
Unbekannt und gesucht sind Parameter einer Grundgesamtheit, bekannt sind
lediglich Stichprobenmaßzahlen, von denen auf entsprechende
Grundgesamtheiten geschlossen werden soll.
Die Punktschätzung löst Probleme der Art: Der unbekannte Parameter der Grundgesamtheit hat den Wert X. Wie groß ist X? Eine Punktschätzung berechnet also aus einer Zufallsstichprobe ein einziger Schätzwert für den unbekannten Parameter berechnet. Unbekannt bleibt, um welchen Betrag der erhaltene Schätzwert von dem gesuchten Parameter abweicht. Die Bestimmungsvorschrift für den unbekannten Parameter nennt man Schätzer oder Schätzfunktion, sie ist wiederum eine Zufallsvariable. Als Punktschätzverfahren sind vor allem die relativ anspruchslose Momentenmethode und die Maximum-Likelihood-Schätzung zu nennen. Die Momentenmethode macht keinerlei Verteilungsvorgaben über die Grundgesamtheit und schätzt die Momente der Grundgesamtheit mit den Momenten der Stichprobe ab.
Die Maximum-Likelihood-Schätzung setzt die Bekanntheit des Verteilungstyps der Grundgesamtheit voraus und bestimmt diejenigen Werte als Schätzwerte für die unbekannten Parameter, die dem erhaltenen Stichprobenresultat die größte Wahrscheinlichkeit des Auftretens verleihen.

Intervallschätzung: Der unbekannte Parameter der Grundgesamtheit
liegt (mit einem Vertrauen von y%) im Bereich x1 bis x2,
wobei der punktgeschätzte Wert X - der in der Mitte des Intervalls liegt -
derjenige ist, der dem wahren Wert vermutlich am nächsten kommt. Die
konstruierten Intervalle nennt man Konfidenzintervalle oder Vertrauensbereiche.
Die Bereichsgrenzen sind Realisationen von Zufallsvariablen, sie werden aus der
Stichprobe berechnet und bilden ein Zufallsintervall.
Die
Maximum-Likelihood-Methode ist eine Methode, um "Schätzer" zu finden (wie
auch die Methode der kleinsten Quadrate). Der Grundgedanke der
Maximum-Likelihood-Methode ist: Man sollte den oder die GG-Parameter so
schätzen, daß die entsprechende Stichproben-Realisation die
größte Chance hat, realisiert zu werden. Im Ggs zwischen
Momentenmethode und zum Intervallverfahren müssen Informationen über
die Verteilung vorliegen (à ein häufiges Problem).
Die Maximum-Likelihood-Methode geht auf die sogenannte Likelihoodfunktion
zurück. Sie ist das Produkt aus n identischen Dichte- oder
Wahrscheinlichkeitsfunktionen, gibt also die gemeinsame Dichte bzw.
Wahrscheinlichkeit von n identischen und unabhängigen Zufallsvariablen
an.
Die Zielfunktion lautet:
![]()
Der Grundgedanke der Maximum-Likelyhood-Methode läßt sich so
beschreiben: Wenn wir einen theoretischen Parameter, z.B. µ, jenen Wert
geben, den der aus der ML-Methode hervorgegangene Schätzer für eine
konkret vorliegende Stichprobe annimmt, dann haben wir die Vorstellung mit
genau jenem Parameterwert herausgefunden, für die das vorgefundene
Stichprobenergebnis das "plausibelste" ist. Es ist plausibler,
"vernünftiger" oder eben naheliegender, der GG-Verteilung diesen
Parameterwert zuzuschreiben als irgeneinen anderen. Die höchste Vermutung
("Mutmaßlichkeit") spricht für diesen Parameterwert.
Für
die Güte der Punktschätzungen werden im allgemeinen vier Kriterien
angegeben:
Man
versteht unter dem Begriff Vertrauensbereich ein aus Stichprobenwerten
berechnetes Intervall, welches den wahren, aber unbekannten Parameter mit einer
vorgegebenen Wahrscheinlichkeit überdeckt.
Beispiel: das arithmetische Mittel
Ausgehend von einem Repräsentationsschluß, also von einem
Schluß von dem Schätzwert auf den Grundgesamtheitsparameter, ist der
aus einer Stichprobe ermittelte Schätzwert
nur
eine Schätzung des Mittelwertes µ der Grundgesamtheit, d.h. daß
bei verschiedenen Stichproben die ermittelten Schätzwerte im allgemeinen
variieren. Nun läßt sich allerdings ein Intervall angeben, daß
mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit auch den Parameter der Grundgesamtheit
enthält. Wählt man also einen Vertrauensbereich von 90%, so
enthält der Vertrauensbereich zu P=90% den Parameter der Grundgesamtheit,
in 10% der Fälle wird er außerhalb liegen. Letztere
Wahrscheinlichkeiten bezeichnet man auch als Irrtumswahrscheinlichkeit
,
P und
ergänzen sich zu 1. Wesentlich ist nun, daß ein
Gegensatz zwischen Schärfe der Aussage und der Sicherheit der Aussage
besteh: ein hoher Wert für P führt zu sicheren, aber unscharfen
Aussagen, d.h. der Vertrauensbereich ist sehr breit, ein kleiner Wert für
P für zu unsicheren, aber scharfen Aussagen. Grundsätzlich werden
Vertrauensbereiche enger, wenn also einerseits die Irrtumswahrscheinlichkeit,
aber auch andererseits der Stichprobenumfang erhöht wird.