Helmut Kromrey: Empirische Sozialforschung: 4. Kapitel Strategien der Operationalisierung und Indikatorenauswahl
4.1 Indikatoren
Um existierende, aber nicht direkt wahrnehmbare Phänomene erfahren
zu können (z.B. Berufserfolg), braucht man Indikatoren.
Indikatoren (nach Novak)
a) definitorisch: die zu untersuchende Merkmalsdimension wird
durch definitorische Indikatoren selbst erst definiert.
Beispiel: Körpergröße wird gemessen in cm, d.h.
es wird festgelegt, daß die Merkmalsdimension Körpergröße
mit der Maßeinheit cm gemessen wird. Cm selbst ist definitorisch,
d.h. man muß es definieren, damit man versteht, was es aussagen soll.
Klartext: Der Indikator wird dem gleichgesetzt, was ich messen will.
Man schließt von einem Begriff auf das zu mesende Objekt. (naja,
so ähnlich)
b) korrelativ: der Bedeutungsgehalt der Indikatoren entspricht
nicht mehr dem Bedeutungsgehalt der Begriffe, für die sie stehen.
a) intern korrelativ: Indikatoren für Teilaspekte eines
mehrdimensionalen Sachverhalts, d.h. Indikator ist zugleich Teilaspekt
vom Untersuchungsobjekt.
Beispiel: Prestige - Indikator: Beruf
Beruf ist einerseits Indikator für Prestige, andererseits aber
auch Teilaspekt (Dimension) von Prestige.
b)
extern korrelativ:
Indikatoren für Sachverhalte, die nicht Bestandteil der Definition
eines Begriffs sind, aber dennoch mit der begrifflich bezeichneten Merkmalsdimension
korrelieren.
Beispiel: Prestige - Indikator Luxus
Luxus ist zur Zeit Indikator für Prestige, das kann sich
aber ändern (z.B. durch soziale Veränderungen).
c)
Schlußfolgernde Indikatoren:
von den schlußfolgernden Indikatoren kann auf Merkmalsausprägungen
von Variablen geschlossen werden, die überhaupt nicht direkt beobachtbar
sind. Beispiel: Entfremdung
4.2 Indexbildung
Frage: Kann man Teildimensionen zu einem Index zusammenfassen?
Antwort: Ja, aber nur, wenn die Korrelation zwischen den Indikatoren
alle ein positives Vorzeichen haben und wenndie Korrelationen der Teildimensionen
(der Indikatoren) mit der abhängigen Variable alle das gleiche Vorzeichen
haben (also entweder alle positiv oder alle negativ sind).
Siehe Abbildung S. 121
Ansonsten wird das Ergebnis verfälscht:
Indizes werden anstatt von Indikatoren verwendet, weil die Chance,
Meßgenauigkeiten zu verringern, erhöht wird. Indikatoren beziehen
sich immer nur auf eine Teildimension des Sachverhaltes. Es kann vorkommen,
daß mehrere Indikatoren stark korrelieren, weil sie identische Aspekte
des Sachverhaltes messen (sie sind redundant). Diese Mehrfachmessung stört
bei der Auswertung, bei Zusammenfassung zu Indizes fällt Mehrfachmessung
weg.
Die Bildung von Indizes ist schwierig und wird unter Umständen
der Realität nicht gerecht (Vergleiche Kromrey S. 122-125) Z.t. spiegeln
Indizes nicht die Bewertungen der Befragten wider.
Daten und Untersuchungsergebnisse, die nicht
"realitätsadäquat"
sind, nennt man
Forschungsartefakte.
4.3 Operationalisierung
Operationalisierung: Übersetzung in Forschungstechniken. Z.B.
überlegt sich der Forscher, daß er ein standardisiertes Interview
durchführen will. Operatationalisierung nennt man also die Überlegung,
wie ein theoretischer Begriff in die Praxis umgesetzt werden kann.
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Die Operationalisierung setzt den empirischen Bezugs voraus.
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bei theoretischen Begriffen kann die Operationalisierung schwierig sein
-
Operationalisierung einer Theorie
Für eine Theorie, die sich auf beobachtbare Sachverhalte bezieht,
lassen sich drei Aussageebenen unterscheiden:
1. Kerntheorie/Substantielle Theorie
Begriffe werden in einem theoretischen Modell zueinander in Beziehung
gesetzt (X verursacht Y, X führt zu Y, wenn Z vorliegt etc.)
2. Beobachtungsaussagen (Indikatoren)
Empirische Untersuchungen liefern zunächst nur
Beschreibungen
über beobachtbare Eigenschaften von Untersuchungseinheiten.
3. Korrespondenzregeln
Korrespondenzregeln sind Postulate, die die empirischen Theorien (Ebene
1) mit den Beobachtungsaussagen (Ebene 2) verbinden. Sie legen fest, welcher
beobachtbare Sachverhalt als Hinweis (als "Indikator") auf den theoretisch
gemeinten Sachverhalt gelten soll.
Klartext: Welcher empirische Sachverhalt "korrespondiert" mit dem theoretischen
Sachverhalt
Empirisch interpretierte Theorien bestehen aus
a) theoretisch definierten Begriffen
b) theoretischen Postulaten
c) Korrespondenzregeln
d) Indikatoren
Problem der Gültigkeit operationaler Vorschriften(Validität)
Die sprachlogische Gültigkeit einer operationalen Vorschrift betrifft
die Beziehung zwischen Sätzen, die die Vorschrift beschreiben, und
solchen, die die Definition angeben.
Frage: Haben die operationalen Vorschriften und die Begriffsdefinition
den gleichen Bedeutungsgehalt?
Klartext: Fragesteller stellt eine Frage (Operationalisierung), die
auf einer Nominaldefinition beruht. Validität meint nun, daß
die Antwort auf die Frage den gleichen Bedeutungsinhalt hat, den gleichen
Sacherhalt anspricht wie die Nominaldefinition.
Die Überprüfung der sprach-logischen Gültigkeit kann
zu vier möglichen Ergebnissen führen.
1. Identischer Inhaltsbegriff von Nominaldefinition und operationaler
Vorschrift (Bsp. Nominalgegenstand: "Arbeitszufriedenheit", zu jeder Bedeutungsdimension
wird eine präzise Frage gestellt)
2. Nominaldefinition enthält mehr Aspekte, als in der Operationaliserung
enthalten sind.
3. Operationalisierung umfaßt die Nominaldefinition und
noch weitere Aspekte.
4. Operationale Vorschrift umfaßt die Nominaldefinition teilweise.
Sowohl Operationale Vorschrift als auch Nominaldefinition umfassen noch
andere Aspekte
Grafiken (sehr einleuchtend!): S.131
Problem: Nicht immer ist eine logisch gültige operationale Vorschrift
empirisch gültig. Die empirische Gültigkeit muß also zusätzlich
überprüft werden.
4.4 Rekurs: Die Methodologie hypothesentestender
und theoriebildender Forschung
Kromrey wiederholt das bisher behandelte Forschungsschema. Am Beispiel
einer psychologischen Testreihe konkretisiert er die theoretischen Ausführungen.
Außerdem beschreibt er die Skizze auf Seite 134.
Gut: Skizze logischer Denkschritte auf S. 134
Ansonsten: Wiederholung und Zusammenfassung, gut zum Einstieg!
© Dorthe Lübbert,
dorthe@luebbert.net, April 1999
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